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La Revue a fait un superbe article sur l’exposition de Gust Graas « Inédits d’atelier » au Schëfflenger Konschthaus en avril-mai 2024.



Farben, Formen und Figuren

Ende des Jahres würde der ehemalige RTL-Generaldirektor, Luxair-Mitbegründer und Maler Gust Graas 100 Jahre alt werden. Zeit zu feiern, findet seine Tochter Kit. Und ehrt ihren Vater mit diversen Ausstellungen in Spanien und Luxemburg.

Text Heike Bucher Fotos Georges Noesen 


Gust Graas muss ein leidenschaftlicher Mensch gewesen sein. Einer, der gebrannt

hat für das Leben, den Job, das Hobby, die Familie. Wenige Menschen hinterlassen große Spuren. Doch er hat nicht nur über Jahrzehnte die Geschicke von RTL geleitet und geprägt sowie die nationale Fluglinie mitgegründet, sondern zudem ein künstlerisches Werk geschaffen, das man zweifelsohne als zeitlos

bezeichnen kann.


„Er hat jeden Tag ein Bild gemalt“, erzählt seine Tochter Kit, das älteste der drei Kinder, die er gemeinsam mit seiner Frau Lydia bekam. „Weil er so gut organisiert war, hat er das geschafft. Von acht bis zwölf und von 14 bis 18 Uhr hat er gearbeitet, dann mit uns gegessen, und wenn wir ins Bett gingen, malte er bis morgens um eins in seinem Atelier. Er war in alles, was er gemacht hat, sehr involviert.“


Hunderte von Zeichnungen und Malereien haben Kit Graas und ihre Geschwister beim Räumen der Häuser auf den Speichern gefunden, die meisten einfach aufeinandergestapelt und ohne Rahmen. Knapp 40 sind davon noch bis zum 18. Mai im Schifflinger Konschthaus zu sehen.


Die kleine Kostprobe aus einem gigantischen Werk gibt zarte Einblicke in die Vielfältig- und Wandlungsfähigkeit eines Menschen, der offensichtlich mehr als ein Talent besaß.


Der erfolgreiche Manager und der begabte Künstler. Dazu sehr auf Harmonie bedacht. Er konnte gut mit Menschen umgehen, ihre Eltern hätten nie gestritten, sagt die Tochter.


Mit Gefühl


Gust Graas wurde 1924 in Esch an der Alzette geboren. Als junger Mann zwangsrekrutierten ihn die Nazis und schickten ihn nach Österreich. Später studierte er Rechtswissenschaften im belgischen Löwen und in Paris.


Trotz seiner juristischen Ausbildung malte er immer und überall. Schon als junger Mann fertigte er Zeichnungen an. Einige der damals entstandenen Selbstporträts sind jetzt in Schifflingen ausgestellt: Gust Graas mit fein gescheiteltem Haar, in Uniform, in Anwaltsrobe.


Doch sein künstlerisches Schaffen geht weiter: weg von den Selbstporträts, hin zu Farben, Formen und Figuren. Seine Tochter nennt seinen Stil „abstraction lyrique“, eine Richtung, die in den 1940er-Jahren entstand und abstrakte Malerei mit spontanen Improvisationen und Emotionen verband.


„Aus dem Abstrakten kommt immer noch etwas heraus, das man erkennen kann“, sagt Kit Graas. „Und er hat oft gemalt, wie er sich gerade gefühlt hat.“ Das schreibt er in seine Notizen: „Ich finde mich immer wieder in all meinen Bildern.


Heute male ich die Stille, die ich in mir höre, morgen wird das Bild, weil ich überschwänglich oder traurig, verwirrt oder besorgt bin, eine andere Gemütsverfassung widerspiegeln.“ Seine Tochter sagt, ihr Vater hätte mit dem Herzen gemalt. Ohne Plan oder Vorlage.


„Es kam alles aus ihm heraus, er ist nie rausgegangen und hat die Mosel gemalt.“


Paella-Reis mal anders

Dafür aber die Schouberfouer, mit Öl auf Leinwand, ein Bild von 1971. Es zeigt ein Riesenrad und ein paar Buden. Ein kubistisch abstraktes Bild in warmen Farmen, trotzdem meint man fast die Melodien und Geräusche des Jahrmarkts zu vernehmen.


Das Bild ist eins der wenigen, das in Privatbesitz verbleibt, die meisten anderen stehen in Schifflingen zum Verkauf.


Einige, sagt Kit Graas, seien unverkäuflich, wie beispielsweise ein mehrere Meter langes und breites gelbes Werk, in dessen Struktur kleine körnige Elemente eingearbeitet sind. Paella-Reis, wie sich herausstellt. Das Bild ist voll davon, eine Reminiszenz an seine spanische Wahlheimat.


Gemeinsam mit seiner Frau zog er nach seiner Pensionierung 1988 nach Mallorca. Die Bilder, die dort entstanden, wurden noch bunter, die Farben noch kräftiger.


Die Ausstellung „Inédits d’Atelier“, die jetzt in Schifflingen zu sehen ist, ist die erste Ausstellung in Luxemburg, die Kit Graas für dieses Jubiläumsjahr geplant hat.


Zwei auf Mallorca sind bereits eröffnet worden, eine der beiden läuft noch bis Ende August. In Luxemburg wird es am 25. Mai mit einer Konferenz in der Abtei Neumünster weitergehen: „Gust Graas et le succès de RTL en Europe“.


Anfang Juni wird dort die zweite Ausstellung „Gust Graas et les femmes“ eröffnet. Das Programm wird sich noch bis ins nächste Jahr ziehen.


Für die Walfer Büchertage 2025 ist die Veröffentlichung einer Biografie des Luxemburgers geplant.


Furchtbarer Witzbold

Gust Graas sei ein furchtbarer Witzbold gewesen, erzählt Kit Graas. Er hätte jeden zum Lachen gebracht. In dem bereits erschienenen Bildband „Gust Graas. Zwei Leben Zwei Welten“, eine Art Katalog zum gesamten Jubiläumsprogramm mit Bildern, Tagebuchaufzeichnungen von Gust Graas und Texten von anderen über ihn, widmet sie ihrem Vater einen mehrseitigen Brief.


Darin beschreibt sie ihre nicht immer einfache Vater-Tochter-Beziehung und den Frieden, den sie nach vielen Jahren dann doch miteinander fanden. Jetzt will sie ihm ein Denkmal setzen. Verdient hat er es.















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